Prinz Thomas III.: Prinz zu werden – eine meiner besten Ideen

25.02.2017 - Die Karnevalssession 2017 befindet sich auf der Zielgeraden. Vor den Öcher Jecken liegen noch viele Karnevalspartys sowie die Umzüge am Tulpensonntag und am Rosenmontag. Mittendrin befindet sich Prinz Thomas III., der mittlerweile 89. Prinz Karneval im Öcher Fastelovvend.

„Einmal Prinz zu sein...!“ Ist dies aus Ihrer Sicht für einen Karnevalisten das Größte, in die Rolle des Prinzen Karneval zu schlüpfen?

Prinz Thomas III.: Es gibt im Karneval sicher wichtige Ämter, wie z.B. als Präsident oder Kommandant in einem Verein, aber das Amt des Prinzen Karneval ist als Oberhaupt der Narren das wichtigste im Karneval, nach dem viele echte Karnevalisten streben. Dies war auch mein Traum, den ich mir jetzt erfüllt habe. Als ich 2011 bei der Stadtgarde Oecher Penn angefangen habe, war Alwin Fiebus Prinz von Aachen. Was da von der Bühne kam, hat mich so berührt, das in mir der Wunsch gewachsen ist, dies zurückzugeben und selbst mal als Prinz die Aachener Jecken anzuführen. Ich bekomme so unglaublich viel positive Energie von den Karnevalisten zurück, dass macht einen riesigen Spaß.

Ihr Hofstaat setzt sich aus Menschen zusammen, die im realen Leben in ihren Berufen erfolgreich sind. Hatten Sie im Vorfeld Bedenken, dass aus diesen Einzelkämpfern gute Teamplayer werden können?

Prinz Thomas III.: Wir surfen alle auf der gleichen Welle. Es war von vorn herein klar, das wir die 'Operation: Prinz' nur im Team machen werden. Vor der Proklamation gab es viele Treffen zur Vorbereitung der Session und das hat uns zusammengeschweißt. Wir haben uns über Ziel und Umsetzung unterhalten und alle an einem Strang gezogen. Wir sind ein super Team und es macht alles unglaublich viel Spaß – nicht nur auf der Bühne, sondern auch in den Foyers, auf den Fahrten zu den Auftritten und jetzt in der Hofresidenz.

Ein Prinz wird am Tag der Proklamation in die närrische Umlaufbahn geschossen und landet am Aschermittwoch wieder auf dem harten Boden. Wir bereiten sie sich als Oecher Star auf Zeit mental auf die Zeit danach vor.

Prinz Thomas III.: Mir war immer bewusst, dass der Tag X, an dem ich wieder Thomas Jäschke bin, kommen wird. Ich bereite mich darauf auch nicht vor, weil ich der Auffassung bin, keine Probleme damit zu haben. Ich hatte auch vorher einen großen Freundeskreis und auf den freue ich mich. Ich habe durch meine Prinzenzeit neue Freunde dazugewonnen und diese neuen Freundschaften werde ich nach meinem eigenen Aschermittwoch intensivieren und pflegen. Ich werde sicher keine psychischen Probleme damit bekommen und das Motto 'Einmal Prinz immer Prinz' wird es bei mir nicht geben. Nach Aschermittwoch bin ich wieder normaler Penn-Soldat und werde weiter mit der Truppe Karneval feiern.

Was ist es für Sie für eine Situation, im Jubiläumsjahr der Stadtgarde Oecher Penn in die Rolle des Prinz Karnevals zu schlüpfen?

Prinz Thomas III.: Darauf bin ich sehr stolz. Ich bekomme von den Penn-Soldaten, mit denen ich sonst immer unterwegs bin, eine grandiose Rückmeldung. Der 160. Geburtstag war der Grund für meine Bewerbung. Ursprünglich war meine Bewerbung für das Jahr 2022 geplant, das Jahr, in dem ich mein 11jähriges bei der Penn habe. Die Kombination Penn-Geburtstag und mein Prinzenamt ist genial.

Wie ist die Resonanz seitens der Öcher und was sprudelt Ihnen in den Sälen entgegen?

Prinz Thomas III.: Absolut positiv, so habe ich mir das nicht vorgestellt. Wir haben scheinbar alles richtig gemacht: ich habe ein tolles Team hinter mir, das eine Menge Spaß hat, und wir haben tolle Lieder, die fast ausnahmslos bei den Oecher gut ankommen.

Sie sind ein Prinz, der scheinbar alle Öcher glücklich macht. Es gibt fast keine Kritik an Thomas III. seitens der Öcher. Macht Ihnen das Angst?

Prinz Thomas III.: Ich habe bisher immer gedacht, die Kritiker würden ihre Kritiken hinter vorgehaltener Hand oder hinter verschlossenen Türen äußern. Er wird sicher Menschen geben, denen das nicht gefällt, was wir machen, aber wenn es keine negative Kritik gibt, bin ich darüber nicht unglücklich. Es war mein Ziel, alle Karnevalisten mit dem, was wir auf die Bühne zaubern, glücklich zu machen und ich freue mich, wenn wir unser Ziel erreichen.

Sie hatten mit neun Monaten eine recht kurze Vorbereitungszeit, trotzdem wirkt alles bei Prinz und Hofstaat professionell und gut durchdacht.

Prinz Thomas III.: Wenn wir es machen, dann machen wir es richtig - das war unser Leitsatz. Wir hatten mit dem Training für das Prinzenspiel und für die Auftritte bei den Sitzung sehr früh angefangen. Eine große Unterstützerin ist unsere Trainerin Marga Render und unser Frühstart ins Training sofort nach dem Zuschlag durch den AKV hat sich ausgezahlt. Da dies alle so homogen und wie aus einem Guss rüber kommt, ist meinem Team geschuldet, das hat das Training auf sich genommen und mitgezogen.

Prinz im Alltag des Prinzensein. Kann man auch nach über 200 Auftritten den regelmäßigen Auftritten noch positive Seiten abgewinnen?

Prinz Thomas III.: Ich nehme das alles positiv mit. Ich genieße die Zeit mit den Karnevalisten. Ich finde es toll, wie z.B. bei den Oecher Figaros, dass wir Zeit haben, mal länger bei einer Veranstaltung zu bleiben und ich den direkten Kontakt mit den Menschen aufnehmen kann. Hip ist im Moment, das die Karnevalisten Selfis mit mir mit dem Handy aufzunehmen. Das gehört für mich untrennbar zum Prinzentum dazu und ich stellen mich im Rahmen des Auftrittsplan gerne dafür zur Verfügung.

Auf der Bühne sind sie der Strahlemann. Wie sind Sie privat?

Prinz Thomas III.: Ich verstelle mich nicht. So wie ich mich auf der Bühne gebe, bin ich auch privat. Ich war früher immer der Klassenclown. Meine Mutter hatte häufig Schwierigkeiten mit den Lehrern und ich bin einfach immer positiv unterwegs.

Ein Pfund, mit dem Sie wuchern können, ist die Prinzen-CD. Zehn tolle Lieder, die bei den Aachenern gut ankommen. Wie sind sie bei der Auswahl vorgegangen?

Prinz Thomas III.: Das Thema Hüttengaudi ist ja auch im Motto 'Met Ski ajjen Föss d'r Brand eraf, der klenge Prenz fiert Oche Alaaf!' drin, und in diese Richtung sollte es gehen. Bei einem internen Casting haben wir alle Vorschläge geprüft und die Songs auf der CD ist die Essenz. Wir haben eine gute Mischung aus eigenen Songs und Cover-Liedern in verschiedenen Stilistiken. Die selbstgeschriebenen Lieder liegen mir sehr am Herzen und bin froh darüber, dass wir damit den Nerv der Öcher treffe.

Sie transportieren in Songs wie 'Dat es Oche' und 'Aix La La Chapelle' Öcher Gefühle. Sie berühren damit das Herz und die Seele ihrer närrischen Untertanen.

Prinz Thomas III.: Ich wollte natürlich was für Aachen machen. Wir sind nicht in Köln, das unterschreibe ich auch sehr gerne, deshalb wollte ich die Liebe zur Stadt Aachen in die Lieder packen. Mein Musikus Patrik Hoesch hat den Song 'Aix La La Chapelle' von Christoph Birken aus Würselen ausgegraben. Vor elf Jahren hat er damit den AKV-Wettbewerb Chartbreaker gewonnen und für uns ist das Lied ein Volltreffer. Wie haben es neu arrangiert.  Dazu haben wir auch bei Eiseskälte in Aachen ein Video gedreht. Nach dem Dreh musste ich erst mal lange in die Badewanne um mich wieder aufzuwärmen. Mit dem Reinerlös aus dem Verkauf der CD und des Spenderordens unterstützen wir den 'Nele und Hanns Bittmann e.V.' und die AKV-Sammlung Crous.

Wie sieht ein typischer Tag im närrischen Leben von Prinz Thomas III. aus?

Prinz Thomas III.: Bis vergangenen Samstag waren wir tagsüber noch im Job und sind abends bis in die Nacht in den Karneval abgetaucht. Seit dem Einzug in die Hofresidenz Quellenhof sind wir Vollzeitkarnevalisten und es ist alles etwas entspannter. Wir fangen frühmorgens mit den ersten Terminen an bis spät in die Nacht – Schlafmangel inbegriffen. Aber über allem steht die Gemeinschaft mit dem Team und mit den Oecher Karnevalisten sowie der Spaß, den wir selbst haben und die gute Laune, die wir verbreiten.

Bis Aschermittwoch werden Sie innerhalb von 54 Tagen mehr als 300 Veranstaltungen besucht haben. Hat sich der gesamte Aufwand aus Ihrer Sicht gelohnt?

Prinz Thomas III.: Ein klares ja! Das, was wir erleben und erlebt haben, macht den Aufwand wett. Es kommt unglaublich viel von den Menschen zurück und die Erinnerungen nimmt uns niemand mehr. Jetzt kommen noch die Hochtage des Fastelovvens mit den Umzügen des Märchenprinzen am Tulpensonntag und unseren am Rosenmontag. Ich baue auf die Aachener, dass sie zahlreich an die Wegstrecken kommen, um mit uns zu feiern – egal bei welchem Wetter. Rosenmontag bedeutet aber auch, dass die schöne Session bald enden wird und ein bischen Wehmut macht sich schon breit, aber ich wusste ja, das alles ein Ende hat. Es war eine meiner besten Entscheidungen, einmal Prinz von Aachen zu werden und ich hatte das große Glück auf diesen Hofstaat und die Oecher Karnevalisten zu treffen.



(AZ-Ausgabe vom 25.02.2017/Text: Gerd Simons)

                 
                 
                 
                 
                 
                 


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