Oecher Prinzen 2012: Rainer I. und Tobias I.

Die Karnevalssession 2012 biegt in die Zielgerade ein und vor den Öcher Jecken liegen noch viele Karnevalspartys und die Umzüge am Tulpensonntag und am Rosenmontag. Tobias I. Pauels führt als 60. Aachener Märchenprinz die Öcher Kenger an und Seine Tollität Rainer I. Cohnen ist der 84. Prinz Karneval der Kaiserstadt Aachen. AZ-Mitarbeiter Gerd Simons sprach mit den beiden Narrrenherrschern über ihre Session und die Umzüge als Höhepunkte ihrer Prinzregentschaft.  


Sie haben vor Ihrer Prinzen-Session beide närrische Erfahrungen als Hofstaatsmitglieder sammeln können. Wo liegen für Sie die Unterschiede?

Tobias: Es ist eigentlich das Gleiche, nur als Märchenprinz hat man einen längeren Text, den man aufsagt und man steht mehr im Mittelpunkt. Das gefällt mir gut. Und als Märchenprinz bekommt man viele schöne Orden mit schönen Motiven. Ich freue mich sehr über selbst gebastelten Orden. Aber ob nun im Hofstaat oder als Märchenprinz, wichtig ist der Spaß, den wir alle haben.

Rainer: Da gibt es einige, die nicht unerheblich sind. Es ist schon ein anderes Gefühl in erster Reihe zu stehen. In der zweiten Reihe kann man sich mal verstecken und man muss auch nicht unbedingt bei allen Auftritten dabei sein, aber als Prinz bist du als Hauptdarsteller immer präsent. Das ist schon eine andere Hausnummer. Es hat mich auch überrascht, dass ich so auf dem Präsentierteller stehe. Ich hatte das ja bei Prinz Roger I. im Hofstaat mitbekommen, aber dass man so im Fokus steht, hätte ich doch nicht gedacht. Da ich das Prinzenamt liebe, mache ich das sehr gerne.

Wie reagierten denn die Familie, Verwandte und Freunde darauf, dass Sie jetzt Aachener Prinzen sind?

Tobias: Es hat sich für mich nichts geändert. Ich sehe meine Freund und meine Familie regelmäßig und sie finden das toll, dass ich Märchenprinz bin. Meine Familie unterstützt mich sehr dabei.

Rainer: Nicht jeder kann sich damit identifizieren, dass würde ich auch nicht verlangen. Am Anfang war die begründete Skepsis da, gerade aus meinem näheren Umfeld. Meine Familie hat meiner Prinzregentschaft zugestimmt, sonst hätte ich es ja nicht gemacht. Wir haben darüber gesprochen, dass ich es nicht allen recht machen kann als Prinz Karneval. Meine Frau und meine Kinder können jetzt sehr gut damit umgehen. Und ich konnte das Amt ja auch nur deshalb übernehmen, weil man Vater meine Arbeit in der Firma übernommen hat. Nach Aschermittwoch kann er dann wieder zurück in seinen wohlverdienten Ruhestand.

Ist es wirklich, wie in einem Prinzenlied beschrieben, ein Traum, einmal Prinz im Karneval zu sein?

Tobias: Ja! Schön daran ist, dass man die Menschen in Aachen als Märchenprinzen glücklich machen kann und man die Möglichkeit hat, im Kinderkarnevalszug mitfahren zu können und nicht am Rand steht.

Rainer: Es ist ein Riesenhighlight, einmal Prinz zu sein. Diese Zeit möchte ich nie mehr missen wollen. Wir leben gerade diesen Traum und sind auf dieser Oecher Welle im Aachener Karnevals unterwegs. Aber es ist der Karneval generell. Ich muss nicht Prinz sein um diese Freude für den Karneval zu empfinden, die ist einfach da. Letztendlich ist es das Größte am Rosenmontag oben auf dem Wagen zu stehen. Großartig ist die Kommunikation mit den Menschen. So habe ich einen Brief von einer 85jährigen Damen bekommen, die sich wirklich darüber bedankt hat für diesen wundervollen Tag. Das ist für mich ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Ich freue mich auf jeden einzelnen Auftritt im Öcher Fastelovvend. Es macht unheimlich viel Spaß. Meine Prinzregentschaft ist endlich, am Aschermittwoch ist alles vorbei. Von mir aus könnten wir noch vier Wochen weiter machen.

Was machen Sie auf den Fahrten zwischen den einzelnen Auftritten?

Tobias: Wir singen Lieder, haben Computerspiele mit und man schaut über die Schultern, wenn man selbst keinen hat. Wir machen Späße miteinander und unterhalten uns. Mit gefällt gut mit dem Hofstaat und der Kinderprinzengarde in Aachen unterwegs zu sein.

Rainer: Ich setzte mich in den Wagen und freue mich auf den nächsten Auftritt. Vor allem an den Wochenende mit vielen Veranstaltungen ist unser Zeitplan sehr eng, das bleibt nicht viel Zeit. Da heißt es nur: raus aus dem Wagen, einen tollen Auftritt mit vielen tollen Menschen im Publikum genießen und dann wieder rein ins Auto und zum nächsten Auftritt, denn da warten ja auch Öcher auf uns, die den Prinzen sehen möchten.

Bereiten Sie sich auf die Auftritte vor?

Tobias: Ja, ich möchte wissen, zu welchem Verein wir fahren oder in welchen Kindergarten. Zum Beispiel weiß ich aus meiner Zeit im Hofstaat, bei welchem Verein Stimmung und gute Laune ist und wo nicht. Neben unseren Texten, die ich und meine Hofstaatmitglieder aufsagen, haben wir ja noch ein Prinzenlied, das wir gemeinsam singen.

Rainer: Nein, ich gehe spontan in jeden Auftritt und ich habe auch meine Rede nicht vorbereitet. Wir haben tolle Lieder, die gut ankommen, ich und mein Hofstaat sind authentisch und wir lassen uns von der Stimmung im Saal treiben. Und wenn mal keine Stimmung sein sollte, was selten vorkommt, dann kümmern wir uns drum.

Als Prinz Karneval ist man ein Star auf Zeit. Am Aschermittwoch ist wirklich alles vorbei?

Tobias: Es wird mir ein bischen schwer fallen, wenn ich nicht mehr Märchenprinz bin, denn es ist eine schöne Zeit. Aber für mich ist es ja noch nicht vorbei, denn in der nächsten Session bin ich ja noch als Hofmarschall im Hofstaat dabei.

Rainer: Der 22. Februar ist für mich ein feststehender Termin, ab dem wieder alles so ist wie vorher. Ich freue mich darauf, natürlich mit einer Träne im Augenwinkel, weil dann diese schöne und sensationelle Zeit vorbei ist. Das macht aber den Reiz am Prinzentum aus, dass die Zeit als Prinz irgendwann vorbei ist. Man kann sich im Vorfeld drauf einstellen, dass man wieder in der Normalität mit allen Höhen und Tiefen wieder ankommt. Ich freue mich auf die nächsten Jahre und auf die nächsten Prinzen und werde das intensiv verfolgen. Die Wehmut ist jetzt schon da und ich weiß schon jetzt, dass ich es im Stadttheater am Karnevalsdienstag kurz vor Mitternacht sehr sehr schwer haben werde und es für mich sehr emotional wird.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie in ihre Karnevalsumzüge am Tulpensonntag und am dem Rosenmontag?

Tobias: Ich kenne das ja schon wie das ist auf einem Prinzenwagen. Aber jetzt stehe ich ganz oben und meine Federn wackeln im Wind. Ich hoffe sie fliegen nicht weg. Ich freue ich mich sehr auf den Kinderkarnevalszug. Zuerst werde ich am Elisenbrunnen dem Oberbürgermeister Marcel Philipp und dem Prinz Rainer I. meinen Orden verleihen und ich bekomme den Orden von Prinz Rainer überreicht. Dann fahren wir zum Aufstellungsort und dann kann es losgehen.

Rainer: Ich möchte am Rosenmontagszug so viele nette und glückliche Gesichter wie möglich sehen. Und wenn Petrus uns dann noch gutes Wetter beschert, ist das für mich dann das Nonplusultra mit meinen Freunden oben auf meinem Wagen zu stehen. Ich bereite mich nicht vor, ich freue mich einfach auf die vielen tausend Jecken im Zug und an den Straßenrändern. Ich habe schon ein paar Mal am Rosenmontagszug teilgenommen und das erlebt, wenn man in die Gesichter schaut, dass ist sehr bewegend. Und jetzt dann noch mit meinen Federn auf dem Kopf, dann ist es noch eine Stufe höher. Die Öcher können sich auf einen kunterbunten Zug freuen und auf Prinz und Hofstaat, die mit der Sonne um die Wette strahlen werden.



(Text: Gerd Simons/AZ Ausgabe vom 18.02.2012)

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