Edith Kravec - Präsidentin der KG Rübezahl Silesia

Acht Prozent der im AAK organisierter Aachener Karnevalsvereine werden von einer Frau als Präsidentin angeführt. Die sind die Schwarz-Blauen Funken, die Rübezahl Silesia, die Löstige Haarbachterinnen und die Nachteulen. Stellenvertretend für alle Präsidentinnen im Öcher Fastelovvend hat sich der oche-alaaf.com mit Edith Kravec über die Rolle der Frau in einer führenden Position unterhalten.


Frau Kravec, Sie sind eine von aktuell vier Präsidentinnen im Aachener Karneval. Wie finden Sie sich in der Rolle zurecht?

Ich glaube, ich finde mich in dieser Rolle ganz gut zurecht. Ich bin mit dreizehn Jahren die dienstälteste Präsidentin im Öcher Fastelovvend. Einen Verein zu führen bedeutet, egal ob der Präsident männlich oder weiblich ist, viel Arbeit und erfordert viel Engagement - manchmal über die Grenzen der Leistungsfähigkeit hinaus. Man hat Verantwortung für den Verein und für die Mitglieder, aber es macht mir unheimlich viel Freude.

Haben Sie den Eindruck, dass Frauen in führenden Positionen im Karneval von den männlichen Kollegen belächelt werden?

Ganz klar nein. Man wird nicht belächelt, aber man braucht sehr lange Zeit, um anerkannt zu sein. Die männlichen Kollegen sind zwar sehr liebenswert, aber als Frau muss man sich behaupten. Mit den Männern im Karneval habe ich bisher immer nur sehr gute Erfahrungen gemacht. Sie nehmen einen Ernst, wenn man zeigt, das man es drauf hat und in der Lage ist, einen Verein erfolgreich zu führen. Man muss dabei bedenken, dass zu einer Zeit, in der ich begonnen habe, die Gleichberechtigung in den Kinderschuhe steckte. Im Gegenteil, in letzter Zeit bekomme ich sehr viel Komplimente, dass die Leute sagen „Guck dir die Rübezahl an, wie die da steht" und da muss ich sagen, das streichelt doch sehr die Seele.

Wie steht denn Ihr Verein, die KG Rübezahl Silesia" aktuell aus Ihrer Sicht da?

Die Rübezahl steht fantastisch da. So ein tolles Team, wie wir es zurzeit haben, hatten wir noch nie. Meine Mitglieder halten zusammen und mir als Präsidenten wird jeder Wunsch von den Lippen abgelesen. Ich kann mich überhaupt nicht beklagen, hier wird Hand in Hand gearbeitet.

Wie wurden Sie zur Präsidentin der Rübezahl Silesia?

Ich würde sagen, ich kam dazu wie die berühmte Jungfrau zu ihrem Kinde. Ich bin seit 24 Jahren Mitglied bei der Rübezahl. Damals habe ich als Neumitglied die Jahreshauptversammlung besucht und bin als Schriftführerin nach Hause gegangen. Acht Jahre später wurde ich zur Vizepräsidentin gewählt. Einen Tag vor unserem Jubelfest zum 2 x 11-jährigen starb unser Gründungspräsident Günter Marwitz und nach dem Jubiläum wollte uns damaliger Präsident den Verein auflösen. Das mir angetragene Präsidentinnenamt habe ich abgelehnt, weil ich es mir nicht zugetraut habe. Ich holte mir Rat beim damaligen AAK-Präsidenten Franz Baumann, der mir Mut machte und seine Hilfe anbot. Dann habe ich das Amt übernommen und habe viel Unterstützung von ihm, aber auch von gestandenen Karnevalisten, wie z.B. Josef Thevis (KG Eulenspiegel), Franz-Josef Wahlen (KG Löstige Elsässer), Minni und Heinz Küppers (Gesellschaft Aachener Karnevalisten), erhalten. Ohne deren Hilfe wäre die Rübezahl heute ein Teil der närrischen Geschichte Aachens.

Welche Voraussetzungen muss eine Präsidentin mitbringen erfolgreich in der Männerdomäne zu bestehen?

Zu allererst, ich habe den Öcher Fastelovvend von der Pieke auf gelernt und so sollte das auch meiner Meinung nach sein. Wenn ich nicht in der Lage bin, den AKV und den AAK zu unterscheiden, kann ich nicht das Präsidentenamt übernehmen. Rückblickend betrachtet war es eine harte Zeit, in der ich vieles gelernt und auch viel Lehrgeld gezahlt habe.

Müssen Frauen härter arbeiten als Männer, um den gleichen Stellenwert erreichen zu können?

Sie müssen nicht, aber ich glaube sie tun es. Wenn wir Frauen etwas in die Hand nehmen, dann wollen wir ziemlich perfekt sein. Und es ist ein Phänomen, das merke ich immer wieder in den Sälen, wo es meist sehr laut ist. Aber wenn ein Frau ans Mikrofon geht, sind die Gäste still und hören zu. 

Sie engagieren sich auch außerhalb ihres Vereins für die Karneval.

Natürlich, ich bin zwar Präsidentin und für mich soll keine Extrawurst gebraten werden. Ich vertrete unseren Verein im AAK und im „Stammtisch der Präsidenten und Kommandanten der Aachener  Karnevalsvereine" und bei Gemeinschaftsaktionen sind wir mit von der Partie.  

Sie sind seit mehr als 22 Jahre im Vorstand der Rübezahl aktiv. Sind Sie nie amtsmüde geworden?

Doch, ich bin oft amtsmüde. Vor allem, wenn Situationen aufkommen, die mich bis ins Mark treffen, was ganz schlimm ist. Man ist ja mit dem ganzen Herzen mit dem Karneval verbunden und möchte seinen Job gut machen. Und wenn dann Kritik aufkommt, dann haut das einen fast um. Ich brauche dann ziemlich lange, bis ich das verkrafte. Aber dann bin ich mit meiner Truppe wieder auf den Aachener Karnevalsbühnen unterwegs, wir kommen gut an und dann geht mir das Herz auf und ich kann wieder weiter arbeiten.

Welche sind die nächsten Projekte in ihrem Verein?

Was mich wahnsinnig traurig macht, ist das Nachlassen der Besucherzahl bei unserer Gala-Sitzung. Wir bemühen und sehr. Am tollen Programm, das wir anbieten, kann es nicht liegen. Es ist schade, dass wir den Ellerhof nicht mehr füllen können. Wir haben schon vieles versucht, haben die Lösung aber noch nicht gefunden. Als weiteres Projekt möchten wir die Aufstockung unser Tanzgruppe mit jungen Mädels angehen, damit wir die Tradition der „Silesia-Girls" nicht nur wieder aufleben lassen, sondern auch fortschreiben können. Wir suchen  Tänzerinnen die Lust darauf haben, sich einem soliden Verein anzuschließen, der wie eine Familie ist. Wir sagen das nicht nur, wir praktizieren das.

Frau Kravec, welche eigenen Pläne haben Sie für Ihre Zukunft als Präsidentin?

Ich bin ja nun schon gesetzteren Alters und denke  seit längerem darüber nach zurückzutreten und die Rübezahl in jüngere Hände abzugeben. Ich möchte gerne, das mein Nachfolger/meine Nachfolgerin es schafft, die Rübezahl weiter auf unserem Niveau zu halten. Wir sind ja dabei jüngere Mitglieder im Vorstand aufzubauen, aber alles dauert seine Zeit. Ich möchte die Rübezahl, da sind meine Mitglieder und ich einer Meinung, nicht in Hände geben, die vielleicht mit der Rübezahl nicht gut umgeben könnten. Ich muss vor allem meinen Mitgliedern die Angst nehmen, dass die Rübezahl nach meinem Rückzug Schaden nimmt. Ich bleibe ja im Verein und außerdem sind wir Karnevalsvereine im Öcher Fastelovvend eine so verschworene Gemeinschaft, dass bei schwierigen Fällen auch geholfen wird. Soweit ist es aber noch nicht. Erst einmal feiern wir bis Aschermittwoch ausgelassen Karneval und ich freue mich auch auf unsere „Gala der Stars" am Freitag, 29. Januar 2010, im Ellerhof.  



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